Dissertation

Limits of Speech. Studies on Silence and omission in ancient oratory and rhetoric

Von 2009 bis 2016 habe ich bei Prof. Jonathan Powell eine Dissertation angefertigt zum Thema "Schweigen in der antiken Rhetorik", von dem ich bereits einen Ausschnitt in meiner Staatsexamensarbeit 2007/08 bei Prof. Ulrich Schmitzer behandelt habe.

Wiewohl es sowohl zum Schweigen als literarischem Phänomen als auch zur antiken Rhetorik umfangreiche Forschungsliteratur gibt, ist das Schweigen in der Rhetorik (und verwandte Aspekte wie Pausen und Auslassungen) bislang weitgehend unbeachtet geblieben. Daher muss meine Arbeit zunächst auf eine Bestandsaufnahme des Phänomens in seiner ganzen Breite zielen. Dabei kommen sehr unterschiedliche Bereiche in Betracht: das Schweigen des Redners selbst, sowohl als Nichtübernahme eines Falles oder Themas als auch innerhalb einer Rede, als Pause, Stilfigur oder als Ver-Schweigen eines Arguments oder Faktums; aber auch Situationen, in denen der Redner das Schweigen anderer Personen, meist seines Gegners oder seines Publikums, für seine Zwecke nutzt.

Für eine detailliertere Untersuchung haben sich die Bereiche Pausen, Unterbrechungen, Auslassungen als besonders fruchtbar erwiesen, da sich hier eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen der Praxis, wie sie in den überlieferten Reden aufscheint, und der Theorie der rhetorischen Fachschriften nachweisen lässt. Diese Diskrepanz wird besonders sichtbar in den Schriften von Cicero und Quintilian, die daher im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen; eine breite Textbasis aus dem griechischen und römischen Bereich des Zeitraums vom 5. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr. (u. a. Aristoteles, Anaximenes, die attischen Redner, Tacitus, Seneca Rhetor) wird vergleichend in den Blick genommen.